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Tag des Baumes: Die Dicke Marie aus Berlin

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Wie der Titel auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt, sprechen wir heute nicht über Bodyshaming – der Artikel handelt von etwas ganz anderem: nämlich dem ältesten Baum Berlins, der den Spitznamen “Dicke Marie” trägt. Diesen Montag, dem 25. April 2022, feiern wir deutschlandweit den 70. Tag des Baumes. Der Tag entstand 1952, weil die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald auf die extremen Verluste an Wäldern durch den Krieg aufmerksam machen wollte.

“Dicke Marie” heisst die älteste Bewohnerin Berlins. Sie ist eine mächtige Eiche, der heute die Spuren des Alters deutlich anzusehen sind. Das ist auch nachvollziehbar, schliesslich hat die gute Dame schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel. Wie viele Jahre es genau sind, darüber herrscht Uneinigkeit. Leider lassen sich die Lebensringe nicht mehr zählen, da Verfaulung und Verfall den Stamm beschädigt haben. Die Diskussionen reichen von 300 bis zu 1000 Jahren, am wahrscheinlichsten ist ein Alter im Bereich von 500 bis 600 Jahren. Das bedeutet, dass die Geburtsstunde unserer Eiche zum Herrschaftszeitpunkt des römischen Reichs war. Ihren Spitznamen erhielt die Dicke Marie allerdings zu einem späteren Zeitpunkt. Die Legende dazu besagt, dass die Gebrüder Humboldt, die im 18. und 19. Jahrhundert lebten, die Eiche benannten. Die Form ihres mächtigen Stammes erinnerte Alexander und Wilhelm von Humboldt an die rundliche Figur ihrer Hausköchin Marie.

Besuch bei der Dicken Marie

Die Dicke Marie ist eine Stieleiche, auf lateinisch “Quercus robur”, und ist derzeit etwa 15 Meter hoch und 6.5 Meter breit. Angesiedelt ist der Baum im Tegeler Forst in Berlin Reinickendorf im Ortsteil Tegel. Wir, Pauline und Lea von fuchs+wald (Bild), haben der Dicken Marie einen Besuch abgestattet und die Eiche im Wald ausfindig gemacht: Mit dem Fahrrad sind wir bis zum Malchsee gefahren und haben in der Nähe des Restaurants Waldhütte unser Ziel entdeckt. Unweit vom Ufer und doch im Wald thront der stämmige Baum, der mittlerweile von Holzlatten umzäunt ist. Der Bereich um die Eiche herum darf unter anderem wegen herunterfallenden Ästen nicht betreten werden. Beim Holzzaun steht neben einer älteren Kupfertafel, die der Dicken Marie ein Alter von 800 Jahren nachsagt, ein neueres Informationsschild von der Initiative Nationalerbe-Baum.

Die Dicke Marie ist heute, weil sie eben im Wald steht, umgeben von zahlreichen Bäumen. Es ist anzunehmen, dass die Eiche früher eher frei stand und die Nachbarsbäume besonders in den letzten Jahrhunderten um sie herum gewachsen sind. Jener dichte Bewuchs bringt Nachtteile für die Stieleiche, denn sie muss mit anderen Bäumen um Licht und Standort konkurrieren. Das hat zur Folge, dass sie sich heute in einem abgängigen Zustand befindet. Die kleine Krone der Stieleiche produziert nur noch wenige Eicheln und diese werden so schnell von Wildschweinen gefressen oder von Besucher:innen eingesammelt, dass sie selten keimen.

Der erste Waldbaum wird Nationalerbe

Im letzten Jahr erhielt die Dicke Marie einen speziellen Titel: Sie wurde als siebter Baum zum Nationalerbe gekürt. Diese Bezeichnung sollen in Deutschland insgesamt 100 sogenannte Uralt-Bäume erhalten. Dafür müssen die holzigen Riesen die Bedingung erfüllen, mindestens 400 Jahre alt zu sein. Der Gedanke hinter den Nominierungen ist es, Bäume zu schützen, die wichtig für die Biodiversität und Artenvielfalt sind. Von den bisher auserkorenen Exemplaren ist die Dicke Marie das erste im Wald stehende, also der erste Forstbaum. Jedoch gelten alle Nationalerbe-Bäume aufgrund waldbaulicher Dynamiken und unterschiedlicher geschichtlicher Nutzungsformen als selten. Durch die Ernennung erhalten die Titelträger besonderen Schutz und werden angemeßen gepflegt – der langfristige Erhalt soll so gesichert werden.

Dabei steht jedoch im Fokus, die Zahl der Eingriffe möglichst tief zu halten, um einen natürlichen Alterungsprozess zu begünstigen. Trotzdem achtet das Forstamt Tegel darauf, dass umstehende Bäume nicht so wachsen, dass die Dicke Marie zu stark beschattet wird. Wie lange die Eiche noch weiterlebt, ist unmöglich einzuschätzen: Sie könnte in diesem Jahrhundert eingehen oder noch viele weitere erleben und sogar unseren Großenkeln später ein Begriff sein.

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